WN vom 23.07.2003

Außergewöhnliche Seherlebnisse

Schülerinnen der Kardinal-von-Galen-Schule haben optische Illusionen kreiert

-rs- Schöppingen.  Das Sehen ist - das kann man zweifelsohne feststellen - der wohl wichtigste Sinn des Menschen. Täglich muss das Gehirn Tausende visueller Reize aufnehmen und verarbeiten. Was wir sehen, halten wir für wahr. Dass uns das Auge ab und an auch arg täuschen kann, zeigen die Arbeiten der Wahlpflichtgruppe Kunst der Klassen 9 und 10 sowie der Kunst-AG der Kardinal-von-Galen-Hauptschule.

Auf 14 Tafeln haben Schülerinnen optische Illusionen gemalt, die den Betrachter verblüffen. Es ist der Beitrag der Hauptschule zur diesjährigen Cityoffensive, die Ende September startet. Ein halbes Jahr lang beschäftigten sich die Schülerinnen unter Leitung ihrer Kunstlehrerin Barbara Beckmann mit visuellen Täuschungen, Nachbildwirkungen, Suchbildern und unmöglichen Figuren. Wenn man sich nur lange genug konzentriert und die Bilder auf sich wirken lässt, tun sich die überraschendsten Dinge auf, wie der Autor dieser Zeilen selbst erfahren konnte. Da beginnen Kreise, sich plötzlich zu bewegen, ein Porträt entpuppt sich als doppeldeutig, oder es tun sich ganz neue Muster in den Bildern auf.

Noch stehen die Motivtafeln im Pausengang der Schule, schon bald aber werden sie auf dem Berg aufgestellt.

Kunstlehrerin Barbara Beckmann erklärt dies mit einer Überanstrengung des Auges, die ab einer gewissen Zeit der Fixierung eines Objektes eintritt. Dabei entstehen Illusionen, bei denen die Gegenspieler der jeweilig dominanten Farben aktiv werden, erklärt sie. Auf dieses Weise kommen bei schwarzen Gittermustern beispielsweise weiße Punkte in den Schnittpunkten zu Stande.
Der Vorschlag zu dem Projekt stammt von Künstlerdorf-Geschäftsführer Dr. Josef Spiegel und stieß zunächst auf wenig Gegenliebe bei Kunstlehrerin Beckmann. Schließlich erfordern die meist geometrischen Motive eine sehr akkurate und saubere Arbeitsweise. Innerhalb kürzester Zeit habe sich das Thema wider Erwarten jedoch zu einem Renner im Kunstunterricht entwickelt, berichtet Barbara Beckmann. Nicht nur, dass sich die beteiligten Schülerinnen mit viel Engagement und großer Konzentration ihrer Illusion widmeten. Darüber hinaus baten auch ganze Schulklassen darum, die ein oder andere optische Täuschung doch einmal näher betrachten zu dürfen. Favoriten sind dabei eindeutig die Bilder, die im Auge ein überraschendes Nachbild erzeugen.
Nach den Sommerferien und rechtzeitig vor Beginn der Cityoffensive sollen die Tafeln, die Schulhausmeister Höping holztechnisch bearbeitet hat, auf dem Schöppinger Berg installiert werden. "Wir stellen uns eine Art ,Drive-in` vor", erläutert Barbara Beckmann die Präsentationspläne. Wo genau man sich als Spaziergänger oder eben Autofahrer die Motive wird anschauen können, steht derzeit aber noch nicht fest. Das muss noch mit den Anliegern abgesprochen werden.

Kristina Smolinski, eine der an dem Kunstprojekt beteiligten Schülerinnen, legt letzte Hand an ihrer Illusion an.

 

Ein eingespieltes Team: Kristina Smolinski, Dhana Pomplun, Sarah Doedt und Dhana Feldkamp.

Fotos: Kardinal-von-Galen-Schule

Westfälische Nachrichten - 22. 07. 2003