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Schöppingen. Helmuth L. Noach ist Jude
und Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs. Er kam jetzt als Gast in
den Klassen 10A und 10B der Kardinal-von-Galen-Hauptschule
und erzählte im Rahmen der Unterrichtsreihe über den
Nationalsozialismus von seinem Leben während des
Nazi-Regimes. Die Schüler waren von dem Vortrag sehr
ergriffen - Filme und andere historische Quellen können nicht
so beeindrucken, wie der Bericht eines Zeitzeugen. Zu Anfang
der Stunde hatte Noach die Vornamen seiner Eltern und
Geschwister an die Tafel geschrieben - immer wenn im Verlauf
des Vortrags einer verstarb, wischte er den Namen weg. Am Ende
blieb ein einziger Name stehen: Helmuth. Wir waren ganz still
und ziemlich betroffen, keiner hat mehr ein Wort gesagt,
berichten die Schülerinnen Kristina Smolinski (16) und Sarah
Doedt (16). Sie fassten für die WN Noachs Vortrag zusammen:
Helmuth L. Noach wurde 1927 in Köln geboren und lebte dort
mit seinen Eltern und fünf Geschwistern, bis sein Vater nach
Holland ging und von dort nach Israel auswanderte. Er ließ
Frau und Kinder zurück, somit waren sie auf sich allein
gestellt. Da die Lage für Juden in Deutschland immer
schwieriger wurde, suchte seine Mutter Rat bei der Botschaft.
Daraufhin zogen sie nach Amsterdam, wo Helmuth Noach und seine
Geschwister zur Schule gingen und Freunde fanden. Dies alles
geschah zwischen 1933 und 1940.

Berichtete
eindrucksvoll über die Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes:
Helmuth Noach überlebte als Einziger seiner Familie das
Holocaust-Drama.
Das Leben der Juden wurde nun schwerer. Man
erließ immer mehr Verbote gegen sie und das Tragen des
Davidsterns wurde vorgeschrieben, was für Helmuth Noach und
viele andere Juden zu dieser Zeit noch das Schlimmste war. Als
die Deportationen anfingen, stieg die Angst der Familie Noach,
selbst in ein Konzentrationslager gebracht zu werden. Seine
zwei ältesten Brüder Alfred und Harrij waren die Ersten der
Familie, denen dies passierte. Dann kam die Polizei in Noachs
Wohnung und verschleppte Helmuths jüngsten Bruder, seine
Schwester und seine Mutter ins KZ. Helmuth hatte Glück - er
hatte sich bei der Durchsuchung in der Pelzmacherei, wo er
arbeitete, hinter einem Schornstein verstecken können. Eine
Nachbarin half ihm und seinem größeren Bruder Walter, der
ebenfalls den Polizisten entkommen war, ein Versteck zu
finden.
Die Brüder tauchten bei einer Familie auf einem Bauernhof
unter und bekamen einen kleinen Raum, der etwas größer als
eine Besenkammer war. Dort verbrachten sie zweieinhalb Jahre
in der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Oft hatten sie
nichts zu essen und konnten sich nicht waschen, bis am 9. Mai
1945 der Krieg vorbei war. Kurz darauf starb Walter an
Unterernährung - er hatte während der Notzeit seinem jüngeren
Bruder Helmuth immer den größeren Anteil des wenigen Brotes,
das da war, gegeben.
Helmuth Noach war mit 18 Jahren ganz auf sich allein gestellt,
von seiner Familie lebte niemand mehr. Er ging zur holländischen
Armee. Seit zehn Jahren erzählt Noach seine Geschichte in
Holland, Deutschland und der Schweiz. Damit will er uns eine
Botschaft mitgeben und uns warnen: Jeder sollte tolerant
bleiben und auch das Gute im Menschen sehen. Helmuth Noachs
Schlusszitat von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker
gab uns allen sehr zu denken: Wer die Augen verschließt vor
der Vergangenheit, ist blind für die Gegenwart."
  
Fotos:Kardinal-von-Galen-Schule
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