WN vom 01.12.2004

Handwerkliches Geschick reicht nicht
Ralf Mensing gab Hauptschülern Einblick in Malerberuf

 -rs- Schöppingen. Lehrstellenbewerber und Ausbildungsbetriebe einander näher bringen, gegenseitige Anforderungen und Wünsche darlegen, Kontakte zwischen Schülern, Lehrern und Unternehmen knüpfen - der erste Runde Tisch mit Vertretern aller drei Interessengruppen war im vergangenen Jahr ein viel versprechender Schritt hin zur Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation in Schöppingen. Ein Ausfluss aus der Veranstaltung war auch das Angebot von Betriebsinhabern, künftig im Rahmen eines Ausbildungstages in die Hauptschule zu kommen. Den Anfang machte jetzt Ralf Mensing, Inhaber des gleichnamigen Maler- und Lackierergeschäftes an der Hauptstraße. Welche Anforderungen werden heute an Lehrstellenbewerber gestellt? Nachdem er auf (Mit-)Initiative Heinz Cappenbergs von der Kolpingsfamilie vor einer Woche zu Gast bei der Klasse 10a der Hauptschule war, legte der Maler- und Lackierermeister gestern vor der anderen Abschlussklasse, der 10b, speziell aus der Sicht seines Unternehmens Einstellungskriterien dar. Tipps für das Bewerbungsgespräch und eine genaue Vorstellung dessen, was die berufliche Tätigkeit eines Malers und Lackierers umfasst, fehlten ebenfalls nicht. Kein Wunder, dass die Schüler dem Mann der Praxis aufmerksam zuhörten. Schließlich treten sie in die entscheidende Phase ihrer Berufsfindung - die meisten haben bereits eine Bewerbung verfasst.Ich habe genau mitgezählt. Nur ganze vier Schüler haben mir einen guten Morgen gewünscht, als ich heute Morgen in die Klasse gekommen bin, sprach Mensing gleich zu Beginn eine wichtige Eigenschaft an, die er an potenzielle Mitarbeiter stellt: Freundlichkeit und gute Umgangsformen. Der erste Eindruck des Bewerbers - er entscheide mit, ob eine Einstellung erfolgt oder nicht. Denn, so stellte Mensing klar, alle Handwerksberufe brächten den Kontakt zu Menschen mit sich. Die Fähigkeit, gut mit Menschen umgehen zu können, sei entscheidend dafür, Geschäftsbeziehungen zu halten und neue Aufträge zu bekommen. Meine Mitarbeiter müssen von Beginn an in der Lage sein, beispielsweise Verkaufsverhandlungen zu führen, so der Malermeister, der derzeit zwei Lehrlinge ausbildet.

 

Handwerkliches Geschick sei nur eine Voraussetzung für Lehrstellenbewerber. Unabdingbar seien auch solide schulische Grundlagen - beim Maler- und Lackierer vor allem Kenntnisse in Naturwissenschaften und in Mathematik. Dabei geht es nicht um komplizierte Integralrechnung: Wichtig sei vor allem, dass man die Grundrechenarten beherrscht und Materialmengen richtig einschätzt. Mensing: Der Verlust für das Unternehmen ist groß, wenn ein Mitarbeiter wegen eines fehlenden Farbeimers beispielsweise von Münster nochmal nach Schöppingen zurückfahren muss. Aber auch Leistungsbereitschaft und Einsatzwillen müssen stimmen: Schwänzen der Berufsschule oder mangelhaftes Führen des Berichtsheftes können dazu führen, dass die Lehrlingszeit frühzeitig beendet wird. Mit dem vielfach noch verbreiteten einfachen Anstreicher-Image des Berufes räumte Mensing kräftig auf. Die Anforderungen sind hoch: Vom Verlegen von Industrieböden über das Anbringen von Wärmedämmung an Gebäuden bis hin zu restauratorischen Arbeiten beispielsweise in Kirchen reicht das Aufgabengebiet des Malers und Lackierers. Gerade diese Vielfalt mache den Beruf aber auch interessant. Und: Der Erfolg der Arbeit ist unmittelbar zu sehen, machte Mensing deutlich.

Zukünftig sollen weitere Unternehmen ihr Ausbildungskonzept in der Hauptschule vorstellen. Kurzfristig ist ein Besuch von Vertretern der Firma Axa Maschinenbau - mit Schwerpunkt industrielle und kaufmännische Berufe - geplant, teilt Wirtschaftslehrer Karl-Bernd Langhorst mit. Das solche Ausbildungstage an der Hauptschule viel Sinn machen, steht für ihn außer Frage: Die Glaubhaftigkeit ist einfach viel mehr gegeben, als wenn ich den Schülern erkläre, was ein Betrieb von Lehrstellenbewerbern erwartet.

Welche Anforderungen stellt ein Handwerksbetrieb an Lehrstellenbewerber? Maler- und Lackierermeister Ralf Mensing (l., stehend) klärte die Hauptschüler anhand seines Berufes auf.

 Foto: Schippers