WN vom 2. April 2003

 Patentrezepte nein - Impulse ja

Infoabend: Schritt in richtige Richtung

-rs- Schöppingen. Lehrstellenbewerber und Ausbildungsbetriebe einander näher bringen, Anforderungen und Wünsche darlegen, Kontakte zwischen Schülern, Lehrern und Unternehmern knüpfen - konkrete Ergebnisse oder gar Patentrezepte brachte der von Kolpingsfamilie, Gemeinde, Initiative, Jugendheim und Hauptschule gemeinsam initiierte Informations- und Diskussionsabend am Montag in der Aula der Kardinal-von-Galen-Hauptschule zwar nicht. Dennoch - und darin waren sich die meisten Teilnehmer einig - war der Runde Tisch ein erster, viel versprechender Schritt hin zu einer Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation vor Ort. Weitere Treffen, so wurde gegen Ende der gut zweieinhalbstündigen Diskussion vereinbart, sollen folgen.

Wie steht es mit der Ausbildungsmarktsituation in Schöppingen? Dass das Thema unter den Nägeln brennt, zeigte die große Resonanz, die der Infoabend fand. Gut 100 Teilnehmer, darunter über 40 Firmenvertreter, waren in die Hauptschule gekommen.


Gut 100 Interessierte, überwiegend Schüler der Klassen 9 und 10 der Hauptschule, deren Eltern und Lehrer sowie gut 40 Firmenvertreter waren der Einladung der Initiatoren gefolgt und führten unter der Moderation von Bürgermeister Josef Niehoff engagierte Diskussionen. Besonders gespannt dürften dabei die Abgangsschüler der Hauptschule die Redebeiträge verfolgt haben. Denn von den 60 Absolventen, die im Sommer die Schule beenden, suchen noch rund ein Drittel einen Ausbildungsplatz. Wenn einer der Jugendlichen eine Lehrstelle findet, hat sich der heutige Abend schon gelohnt, betonte Bürgermeister Niehoff eingangs der Diskussion.


Allen Unkenrufen zum Trotz - dass es für Ausbildungsplatzsuchende auch in Zeiten schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt durchaus möglich ist, eine Lehrstelle zu finden, stand für die Firmenvertreter außer Frage. Dennoch wurde deutlich, dass es für die Betriebe vielschichtige Hemmnisse gibt, geeignete Bewerber zu finden.


Von fehlenden Kenntnissen in grundlegenden Fächern wie Mathematik oder Deutsch, hohen Fehlzeiten durch Berufsschulbesuch, Urlaub oder Fehlzeiten - die gerade in kleineren Betrieben die Überlegung aufkommen lassen, ob man überhaupt noch ausbilden sollte - über fehlende Abstimmung zwischen Berufsschule und Betrieb bis hin zu mangelnden Arbeitsbereitschaft der Auszubildenden reichte die Palette der Kritikpunkte. Dabei wurde deutlich, dass vieles von der großen Politik bestimmt wird und vor Ort nicht geändert werden kann.


So viel ist klar, ohne Leistung ist auch in der Spaßgesellschaft von heute nichts möglich, appellierte Heinrich Kappelhoff, Seniorchef des Maschinenbaubetriebs Axa, an die Jugendlichen, trotz schlechter werdender Rahmenbedingungen und vielfach aus den Fugen geratener Familienverhältnisse, den Mut nicht zu verlieren und Einsatzbereitschaft zu zeigen. Und: Immer nur auf den vermeintlichen Traumberuf zu setzen, sei Utopie. Die zweite Wahl sei durchaus nicht die schlechtere, sagte Kappelhoff. Was zählt, sei zuallererst eine solide Grundausbildung.


Einige Kritik musste der Hausherr, Rektor Harald Hausmann, einstecken. Oftmals zeigten die Schulen nur eingeengt, in welchen Berufen es Chancen gibt, lautete der Vorwurf aus der Unternehmernschaft. Auch wurde angemahnt, mehr für die Motivation der Schüler zu tun. Verwundert zeigte sich zum Beispiel die Vertreterin des Druckhauses Hüntemann darüber, dass es trotz vieler Praktikanten für den Betrieb sehr schwer ist, später Ausbildungsstellen zu besetzen. Sie forderte eine bessere Nachbereitung der Praktika.


Rektor Hausmann stellte dem die vielfältigen Bemühungen der Hauptschule entgegen, die Absolventen auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Das fange bei Praktika in den Klassen 8 und 10 an und höre bei monatlichen Berufsberatungen durch das Arbeitsamt in der Schule oder Besuchen des Berufsinformationszentrums in Coesfeld nicht auf. Defizite seien dennoch nicht ganz auszumerzen - sei es auf Grund des Elternrechtes, das nach wie vor Priorität genieße oder des persönlichen Schlendrians, auf den wir irgendwann auch keinen Einfluss mehr haben.


Ein erneuter Gesprächsabend ist im Herbst geplant. Um auch die - am Montag zu kurz gekommene - Schülermeinung einzuholen, soll er in kleinerem Kreis - allerdings mit Beteiligung der Berufsschulen - stattfinden. Ausdrücklich begrüßt wurde der Vorschlag vieler Betriebsinhaber, im Rahmen eines Ausbildungstages in die Hauptschule zu kommen und sich und die Firma näher vorzustellen.




Engagierte Diskussionsteilnehmer (v.l.): Schulleiter Harald Hausmann, Moderator Josef Niehoff und Heinz Cappenberg von der Kolpingsfamilie.   

          Fotos: Schippers

 Westfälische Nachrichten - 01. 04. 2003