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Schöppingen. Lehrstellenbewerber und Ausbildungsbetriebe einander näher
bringen, Anforderungen und Wünsche darlegen, Kontakte zwischen Schülern,
Lehrern und Unternehmern knüpfen - konkrete Ergebnisse oder gar
Patentrezepte brachte der von Kolpingsfamilie, Gemeinde, Initiative,
Jugendheim und Hauptschule gemeinsam initiierte Informations- und
Diskussionsabend am Montag in der Aula der
Kardinal-von-Galen-Hauptschule zwar nicht. Dennoch - und darin waren
sich die meisten Teilnehmer einig - war der Runde Tisch ein erster,
viel versprechender Schritt hin zu einer Verbesserung der
Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation vor Ort. Weitere Treffen, so
wurde gegen Ende der gut zweieinhalbstündigen Diskussion
vereinbart, sollen folgen.
 
Wie steht
es mit der Ausbildungsmarktsituation in Schöppingen? Dass das Thema
unter den Nägeln brennt, zeigte die große Resonanz, die der
Infoabend fand. Gut 100 Teilnehmer, darunter über 40
Firmenvertreter, waren in die Hauptschule gekommen.
Gut 100 Interessierte, überwiegend Schüler der Klassen 9 und 10
der Hauptschule, deren Eltern und Lehrer sowie gut 40
Firmenvertreter waren der Einladung der Initiatoren gefolgt und führten
unter der Moderation von Bürgermeister Josef Niehoff engagierte
Diskussionen. Besonders gespannt dürften dabei die Abgangsschüler
der Hauptschule die Redebeiträge verfolgt haben. Denn von den 60
Absolventen, die im Sommer die Schule beenden, suchen noch rund ein
Drittel einen Ausbildungsplatz. Wenn einer der Jugendlichen eine
Lehrstelle findet, hat sich der heutige Abend schon gelohnt, betonte
Bürgermeister Niehoff eingangs der Diskussion.
Allen Unkenrufen zum Trotz - dass es für Ausbildungsplatzsuchende
auch in Zeiten schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen am
Arbeitsmarkt durchaus möglich ist, eine Lehrstelle zu finden, stand
für die Firmenvertreter außer Frage. Dennoch wurde deutlich, dass
es für die Betriebe vielschichtige Hemmnisse gibt, geeignete
Bewerber zu finden.
Von fehlenden Kenntnissen in grundlegenden Fächern wie Mathematik
oder Deutsch, hohen Fehlzeiten durch Berufsschulbesuch, Urlaub oder
Fehlzeiten - die gerade in kleineren Betrieben die Überlegung
aufkommen lassen, ob man überhaupt noch ausbilden sollte - über
fehlende Abstimmung zwischen Berufsschule und Betrieb bis hin zu
mangelnden Arbeitsbereitschaft der Auszubildenden reichte die
Palette der Kritikpunkte. Dabei wurde deutlich, dass vieles von der
großen Politik bestimmt wird und vor Ort nicht geändert werden
kann.
So viel ist klar, ohne Leistung ist auch in der Spaßgesellschaft
von heute nichts möglich, appellierte Heinrich Kappelhoff,
Seniorchef des Maschinenbaubetriebs Axa, an die Jugendlichen, trotz
schlechter werdender Rahmenbedingungen und vielfach aus den Fugen
geratener Familienverhältnisse, den Mut nicht zu verlieren und
Einsatzbereitschaft zu zeigen. Und: Immer nur auf den vermeintlichen
Traumberuf zu setzen, sei Utopie. Die zweite Wahl sei durchaus nicht
die schlechtere, sagte Kappelhoff. Was zählt, sei zuallererst eine
solide Grundausbildung.
Einige Kritik musste der Hausherr, Rektor Harald Hausmann,
einstecken. Oftmals zeigten die Schulen nur eingeengt, in welchen
Berufen es Chancen gibt, lautete der Vorwurf aus der
Unternehmernschaft. Auch wurde angemahnt, mehr für die Motivation
der Schüler zu tun. Verwundert zeigte sich zum Beispiel die
Vertreterin des Druckhauses Hüntemann darüber, dass es trotz
vieler Praktikanten für den Betrieb sehr schwer ist, später
Ausbildungsstellen zu besetzen. Sie forderte eine bessere
Nachbereitung der Praktika.
Rektor Hausmann stellte dem die vielfältigen Bemühungen der
Hauptschule entgegen, die Absolventen auf das spätere Berufsleben
vorzubereiten. Das fange bei Praktika in den Klassen 8 und 10 an und
höre bei monatlichen Berufsberatungen durch das Arbeitsamt in der
Schule oder Besuchen des Berufsinformationszentrums in Coesfeld
nicht auf. Defizite seien dennoch nicht ganz auszumerzen - sei es
auf Grund des Elternrechtes, das nach wie vor Priorität genieße
oder des persönlichen Schlendrians, auf den wir irgendwann auch
keinen Einfluss mehr haben.
Ein erneuter Gesprächsabend ist im Herbst geplant. Um auch die - am
Montag zu kurz gekommene - Schülermeinung einzuholen, soll er in
kleinerem Kreis - allerdings mit Beteiligung der Berufsschulen -
stattfinden. Ausdrücklich begrüßt wurde der Vorschlag vieler
Betriebsinhaber, im Rahmen eines Ausbildungstages in die Hauptschule
zu kommen und sich und die Firma näher vorzustellen.

Engagierte
Diskussionsteilnehmer (v.l.): Schulleiter Harald Hausmann, Moderator
Josef Niehoff und Heinz Cappenberg von der Kolpingsfamilie.
Fotos: Schippers
Westfälische
Nachrichten - 01. 04. 2003
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